Schützenverein Hohe Belmicke 1921 e.V.

Das Dorf Belmicke



Belmicke 2007
 

Belmicke aus der Vogelperspektive


An einem Teil der Rheinisch-Westfälischen Wasserscheide erhebt sich heute auf der Kuppe des Grenzhöhenweges zwischen Rheinland und Westfalen die St.- Anna- Kirche weithin sichtbar in die Landschaft. Sie ist Mittelpunkt des Kirchdorfes Belmicke und Pfarrkirche der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Anna, zu der eine ziemliche Anzahl von Dörfern und Weilern in der näheren Umgebung gehören.

Etwa eine Wegstunde entfernt, zwischen der altehrwürdigen Feste Neustadt und dem traditionsreichen Drolshagen gelegen, kann dieser kleine Ort selbst auf eine lange Geschichte zurückblicken.

In einer Chronik des Kirchspiels Drolshagen wird Belmicke bereits im 16. Jahrhundert erwähnt. Die Schweden erschossen 1635 oberhalb Belmicke den Drolshagener Stadtkämmerer Peter Butz, als sich ihr Heer auf dem Wege nach Bergneustadt befand. Dieses Ereignis wurde später durch ein steinernes Gedenkkreuz bezeugt, das zunächst in der Tränke am Weg zum Windhagen stand und jetzt seinen Platz an der Weggabelung vor dem Friedhof gefunden hat.

Seit 1736 ist Belmicke selbstständige Pfarrgemeinde und hatte bis zur Gründung der Mittelpunktschulen auch eine eigene Schule, die auf eine mehr als 200jährige Tradition zurückblicken konnte.

Die Bewohner sprachen und sprechen noch heute als einziger Bevölkerungsteil des Oberbergischen Kreises eine westfälische Mundart. In ihr spiegelt sich die Zugehörigkeit zum kurkölnischen Herrschaftsbereich wider. So werden die Menschen aus der Belmicker Gegend heute noch von den Bewohnern des Dörspetales als die Kölschen bezeichnet.

Auf dem kragen Boden in rauer Höhenlage waren keine Reichtümer zu  erwirtschaften. Bei kleinen Ackerflächen und wenig Wiesengrund gab es kaum jemanden, der allein von der Landwirtschaft leben konnte. So gingen die Männer, die Burschen und Mädchen, meist zu Fuß, ins Tal oder nach Drolshagen, um in die Gewerbebetriebe der Eisen- und Textilindustrie den Lebensunterhalt zu verdienen, während die Frauen und Kinder am Tag das verarbeiteten, was Väter und große Brüder in der Abend- oder Morgendämmerung z.B. gemäht hatten. Der Roman Brot aus Steinen legt beredetes Zeugnis von der schweren und nicht mit Reichtümern belohnten Arbeit der Bevölkerung ab.

Die Landschaft, und das, was sie bieten konnte, hat die Menschen dieser Region geprägt. Ruhig und unverdrossen gingen und gehen sie ihrer Arbeit nach, waren und sind stolz auf Erreichte und waren im Grunde immer frohe Menschen. Ihre schmucken Fachwerkhäuschen, die heute fast alle Häusern moderner Bauweise gewichen sind, beherbergten oft kinderreiche Familien. So ist es auch kein Wunder, dass Gemütlichkeit und Geselligkeit wichtiger Bestandteil des dörflichen Lebens waren. Gesang und Musik wurden gepflegt, Sport im Verein und im Turngau betrieben und Feste im Jahreskreis mit Intensität gepflegt und gefeiert. Von den Festen ist der Annendach auf der Hohen Belmicke immer noch ein Begriff. Etwas abgeschieden von der zentraleren Orten Drolshagen und Bergneustadt gedieh hier auf dem Berg und in seinem Umland ein Völkchen, das gottesfürchtig und treu seine Pflicht tat in Familie, in Gemeinde und im Staat. Zwei Dinge sollen dies etwas näher bezeugen: Als am Ende des Krieges der Gasthof Hütte abgebrannt war und bei der zunehmenden Bevölkerung kein Versammlungsraum ausreichender Größe mehr vorhanden war, opferten die Belmicker ihre freie Zeit und erstellten in Eigenleistung das St.-Anna-Heim mit Bühne und Gruppenraum zu einer Zeit, als weitaus größere Dörfer sich an eine solche Aufgabe noch nicht heranwagten. Das Heim wurde und ist zentraler Ort des geselligen Lebens in Belmicke, zumal es später durch einen weiteren Gruppen- und Thekenraum, Toiletten und eine Hausmeisterwohnung erweitert wurde. Der Geist, der die Belmicker damals beseelte, fand seinen Ausdruck in dem Spruch, der jahrelang die Wand über der Bühne zierte: Einigkeit macht stark!

Wer den schmucken Friedhof besucht, dem wird vor allem das Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege ins Auge fallen. Die Ehrentafel mit den Namen der Gefallenen und Vermissten und der in der Heimat an den Folgen des Krieges Gestorbenen weisen nach, welch hohen Blutzoll auch die Belmicker entrichten mussten, zumal, wenn man die damals noch weitaus spärlichere Besiedlung mit einrechnet.

Horst Schürholz
(ehem. Schriftführer)
 

 

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